Kommentar zum Stand der Vorplanungen des AD Funkturm

Sanierung AD Funkturm Eichkamp Klausenerplatz Kaiserdamm Messedamm Anschlussstelle Deckelung A100 Avus

Mehr als 200.000 Fahrzeuge nutzen durchschnittlich täglich das Autobahndreieck Funkturm. In den 1960er Jahren für 20.000 Fahrzeuge täglich konzipiert, entspricht es nicht mehr dem Stand heutiger Verkehrsführung und -sicherheit. Hinzu kommt, dass die Brücken sanierungsbedürftig sind. Eine Sanierung ist also dringen erforderlich. Dieses Mammutprojekt steht dem Bezirk also bevor. Vorab möchte ich sagen: Wir brauchen eine Planung, die sich an den Anwohnern orientiert und eine stadtentwicklungspolitische Vision hat. Das ist bisher nicht der Fall.

Konkret geht es um folgende Punkte, die ich hier skizzieren werde.
Die DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) ist wie üblich für die Planungen und Durchführung verantwortlich. Die jetzige Vorzugsvariante, welche die DEGES am 31.10.2019 in der Urania präsentierte, entspricht nicht den Anforderungen einer modernen und lebenswerten Stadt. Nach dem jetzigen Planungsstand würden sich folgende Nachteile ergeben:

1. Wegfall des Autobahnanschlusses Messedamm
2. Neue Anschlussstelle Jaffestraße und Fahrbahnerhöhung der A115
3. bisher keine Masterplanung für die A100 inkl einer Deckelung
4. keine stadtentwicklungspolitische Perspektive

Konkret bedeutet das:

1. Durch den Wegfall der Anschlussstelle Messedamm wird sich zwangsläufig der Verkehr in den Wohngebieten erhöhen. Der Messedamm ist unbewohntes Gebiet. Hier stören Rückstaus eher weniger. Durch den Wegfall der Anschlussstelle werden die Autos vermehrt die Ausfahrt Knobelsdorffstraße nutzen, um zum Beispiel zum Großen Stern oder Theodor Heuss Platz zu kommen. Von hier wird der Verkehr in Richtung Westen zur Königin Elisabeth Straße und im Osten Richtung Klausenerplatz-Kiez abgeleitet inkl. langer Staus zu Stoßzeiten. Zweitens wird der Verkehr an der neuen Anschlussstelle Jaffestraße auch angrenzend zu einem Wohngebiet verlaufen. Unser Ziel muss sein, den Verkehr aus den Kiezen fernzuhalten und nicht im Jahr 2019 für mehr Verkehr in den Kiezen zu sorgen!

2. Die neue Anschlussstelle Jaffestraße geht mit einer Erhöhung der Fahrbahn auf bis zu 5 Meter einher. Unmittelbare Anwohner werden somit auf eine erhöhte Schallschutzwand schauen. Die Erhöhung ist nötig, weil eine Unterführung durch die A115 das Wohngebiet neben den Bahngleisen im Grunewald erschließen soll. Diese Fläche ist als Ersatzfläche für den Wegfall der Wohnungen aus dem Westkreuzpark vorgesehen. Vorsichtig gesagt, klingt die neue Anschlussstelle sehr ambitioniert. Hier sollten die Interessen und Vorschläge der Anwohner Gehör finden für den weiteren Planungsprozess. Braucht man die neue Anschlussstelle, wenn der Messedamm erhalten bleibt?

3. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat sich mit den Stimmen der rot-rot-grünen Koalition und großer Unterstützung aus den Reihen der Opposition für eine Masterplanung der Sanierung der A100 vom AD Charlottenburg bis AD Funkturm ausgesprochen, die eine Prüfung der Deckelung beinhaltet. Die grüne Verkehrssenatsverwaltung war aufgefordert eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Das ist nicht geschehen bisher. Unverantwortlich. Denn eine Deckelung der A100 schützt Anwohner vor Lärm und Luftverschmutzung und es entsteht ein neuer Stadtraum auf dem Deckel. Flächen werden in Innenstadtlage zur Zeit dringend benötigt für Grün, Kitas oder Schulen. Wenn schon das Mammutprojekt der Sanierung des AD Funkturms ansteht, sollte eine vorausschauende Planung vorgenommen werden, die den gesamten Stadtraum mit einbezieht. Es geht nicht zuerst um die Autos, sondern um die Menschen, die hier andauernd leben. Wenn nun das ganze Autobahndreieck saniert wird, sollten gleich mehrere Fliegen mit einer Klatsche geschlagen werden. Das heißt Autoabhndeckelung der A100 und Sanierung des AD Funkturms gehören zusammen. Dass es Grenzwerte für Stickoxide gibt und diese entlang der A100 überschritten werden, zeigt einmal mehr, dass wir für den gesundheitlichen Schutz der direkten Anwohner der Autobahn in Verantwortung stehen. Die Gesundheit muss Priorität haben - gerade in einer rot-rot-grünen Koalition.
Hierzu habe ich auch eine Petition gestartet: https://www.change.org/p/senatsverwaltung-für-umwelt-verkehr-und-klimas…

4. keine stadtentwicklungspolitische Perspektive: In der jetzigen Vorzugsvariante ist keine stadtentwicklungspolitische Perspektive vorhanden. Wo sind Fahrradschnellwege geplant? Wie bewegen wir mehr Menschen dazu aufs Auto zu verzichten? Wie kriegen wir eine gesamtsstädtische Perspektive, die auch den Nah- und Fernverkehr stärkt, um das AD Funkturm zu entlasten? Auf diese Fragen und weitere gibt es keine Antwort.

Es ist nun wichtig, dass sich Anwohnerinnen und Anwohner in den folgenden Dialog mit der DEGES aber auch dem Senat einbringen, damit die Anwohnerinteressen deutlich werden. Hierzu sind Themenwerkstätte im Jahr 2020 geplant. Ich werde auf diese Termine auf meiner Webseite hinweisen. Ziel muss es ein, die Anwohnerinteressen rund um das AD Funkturm zu bündeln und sich Gehör zu verschaffen. Ebenso muss der Senat seine Stimme deutlicher als bisher für die Anwohnerinnen und Anwohner erheben.

Unter diesem Link finden Sie die Vorplanung der DEGES:
https://www.deges.de/wp-content/uploads/2019/10/2019-10-31_Informations…

verwendetes Bild: DEGES screenshot aus https://www.deges.de/wp-content/uploads/2019/10/2019-10-31_Informations…