Inge Deutschkron und Margot Friedländer werden Ehrenbürgerinnen von Berlin

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Der Berliner Senat hat erfreulicherweise beschlossen, Inge Deutschkron und Margot Friedländer zu Ehrenbürgerinnen des Landes Berlin zu ernennen. Dazu erkläre ich:
"Beide haben einen bedeutenden Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus geleistet. Als Überlebende der Shoah sind sie trotzdem Berlin und Deutschland eng verbunden geblieben. Dafür sind wir ihnen zu tiefer Dankbarkeit verpflichtet. Als Autorin bzw Zeitzeugin haben sie die einzigartigen Schrecken der NS-Zeit nachfolgenden Generationen weitergeben und zur kontinuierlichen Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit beigetragen. Gerade in Zeiten von neuem Rechtsextremismus in Deutschland und Europa sowie antisemitischen Angriffen in Berlin zeigt uns ihre Ehrenbürgerschaft, dass für alle DemokratInnen der Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenhass identitärer Bestandteil unseres gesellschaftlichen und politischen Handelns sein muss."

Näheres zu Inge Deutschkron und Margot Friedländer:

Die 95-jährige Autorin und Journalistin Inge Deutschkron hat mit ihrem Buch „Ich trug den gelben Stern“ ein Stück Weltliteratur geschaffen. Das Buch handelt von der Familiengeschichte Deutschkrons während der Zeit des Nationalsozialismus und beschreibt, wie sich Inge und ihre Mutter mit Hilfe von Freunden in Berlin verstecken konnten. Ihre Zufluchtsorte waren unter anderem in der Sächsischen Straße 26, der Westfälischen Straße 64 und der Konstanzer Straße 3 in Wilmersdorf.

Arbeit in der Blindenwerkstatt von Otto Weidt, in der jüdische Blinde Besen und Bürsten herstellten, bewahrte Inge Deutschkron zwischen 1941 und 1943 vor der Deportation. Ein nach Otto Weidt benannter Platz im Neubaugebiet Europacity am Hauptbahnhof wird künftig an die Rettung zahlreicher Juden durch den Fabrikanten erinnern. Inge Deutschkron machte in dieser Woche den ersten Spatenstich.

Bewegende Rede im Deutschen Bundestag

Am 30. Januar 2013 hielt Deutschkron im Deutschen Bundestag die offizielle Rede anlässlich des Holocaust-Gedenktags. Sie ist Trägerin des Verdienstordens des Landes Berlin und wurde 2008 mit der Louise-Schroeder-Medaille des Landes Berlin ausgezeichnet. Mehrfach hat sie die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz abgelehnt. Inge Deutschkron berichtet bis heute regelmäßig insbesondere gegenüber jungen Menschen von ihren schrecklichen Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.

Margot Friedländer ist seit 2011 Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Sie wurde 1921 in Berlin geboren. Sie lebte bis zu ihrer Deportation ins Ghetto Theresienstadt im Jahr 1944 im Untergrund in Berlin. Ihre Mutter Auguste Bendheim und ihr Bruder Ralph kamen in Auschwitz ums Leben. Auch ihr Vater starb in einem Vernichtungslager. Im Jahr 2014 wurde durch die Schwarzkopf-Stiftung zum ersten Mal der Margot-Friedländer-Preis verliehen. Der Preis und der dazugehörige Wettbewerb sollen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte motivieren, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen und sich mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen im Kampf gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Ausgrenzung zu engagieren.

vgl. https://www.spd-charlottenburg-wilmersdorf.de/meldungen/spd-charlottenb…